Sonntag, 20. Juli 2014

Sommer

Sommer, Temperaturen um 28 Grad, Hitze, Schwüle, Bewegungslosigkeit. Menschen, die über das Wetter motzen und sich den Winter herbeiwünschen, um über die Kälte meckern zu können.
Ich liebe diese Zeit - vor Allem, wenn sie mit Fussball gefüllt ist.

Und mit Eis.


Sonntag, 13. Juli 2014

Reißverschluss

Bauarbeiten auf der Nordbrücke in Bonn. Schon seit Monaten wird darüber diskutiert, wie man den Stau umgeht (gar nicht) oder wie man sich weiterhin darüber aufregen kann, dass die Brücke verkehrssicher gehalten wird (Man könnte ja Nachts zwischen 2 Uhr und 5 Uhr bauen- da fährt Niemand...)
Nichts hat geholfen. Die Baustelle ist eingerichtet, der Stau tagtäglich vorhanden- und- Überraschung- selbst die öffentlichen Verkehrsmittel wie Busse und Bahnen stehen im Stau.
Wenn man nun auf diese diskussionsträchtige Baustelle zufährt, dürfte dem aufmerksamen Autofahrer folgendes Schild alle 100 m auffallen:
Reißverschluss erst in 600- 500- 400m.
Natürlich ist der aufmerksame Autofahrer geneigt, das Reißverschlußverfahren sofort einzuleiten. Man will ja alles richtig machen. Also: Blinken und Zufahrt erzwingen. Besser man stellt sich jetzt schon in den Stau als erst in 600m. Wenn denn das Ende der Zweispurigkeit erreicht ist, ist es selbstverständlich, dass man all die Autofahrer, die sich an die Verkehrsschilder halten, nicht mehr in die Spur lässt. Wieso auch? Sie hatten ja 600m Zeit.
Sehr vernünftig! Mittlerweile ist mir sehr bewußt geworden, dass einige Autofahrer tatsächlich nur noch in Jogginghosen überleben können, da sich ihnen das Prinzip eines Reißverschlusses nicht im Mindesten erschließt.

Dienstag, 1. Juli 2014

Auf einem Bein kann man nicht stehen....

....oder auch: Mit einem Flügel kann man nicht fliegen.

Manchmal ist es halt so im Leben- im absolut nicht planbaren, so unübersichtlichen und so ungerecht gerechten Leben. Plötzlich ist der Flügel weg. Der eine. Der, der gebraucht wird um zu fliegen. Der, der notwendig ist um stehen bleiben  zu können. Gleichgewicht zu halten. Nagut, ich könnte jetzt esoterisch werden und etwas über Karma, Seele und Mondverhältnissen erzählen- aber nein, ich bin es nicht. Ist so gar nicht meine Welt. Meine Welt ist aber schon irgendwie harmonisch gestaltet. Zumindest möchte ich das so. Harmonisch und im Gleichgewicht.
Mit nur einem Flügel fällt das allerdings schwer. Hin- und hergerissen zwischen hinfallen, aufstehen und stehen bleiben habe ich versucht mit nur einem Flügel zu leben. War anstrengend- ziemlich sogar. Aber was solls- man kann alles lernen.
Bis du kamst. Naja ok- du warst schon da. Hast mitbekommen wie der Flügel kaputt ging, hast mitbekommen, wie ich hinfalle und aufstehe- und warst einfach da. Wie vorher. Wie seit Jahren. Da halt. Ein Anruf: "Wenn du endlich mal an mich glaubst, dann finde ich deinen Flügel wieder. Vertrau mir doch. Hör auf mich und hör vor allem auf, dich so niederzumachen!"
Hey Hey... niedermachen. Ich mache mich nicht nieder. Ich bin halt so. Kaputt halt- wie man so ist wenn man einseitig belastet wird. Kennt man doch oder? Kennst DU doch- du hast es doch selber erlebt.
Was soll ich sagen- du hast den Flügel gefunden. Dachte ich. Mittlerweile habe ich das Gefühl, wir nutzen beide einen Flügel gemeinsam- und es funktioniert. Mal habe ich ihn- mal du. Mal falle ich- mal du. Naja- so ganz komme ich wohl doch noch nicht damit zurecht- ich falle recht häufig und brauche oft deutliche Worte- aber du hämmerst ja in meinen Kopf, was da noch reinzuhämmern ist. Bis du fällst und ich dich fliegen lasse.

Ich danke Dir für dich. Ich habe dich sehr lieb!

Montag, 23. Juni 2014

Hände

Das Gesicht ist mit der empfindlichste Teil des Körpers. Es anzufassen bedeutet eine Intimität, die nur nahen Menschen zusteht.
Sie schützte ihr Gesicht vor allen Menschen, die ungefragt und ungewollt mit den Händen zu nahe kamen. Leider haben mittlerweile viele Menschen keine Hemmungen mehr, die persönliche Blase zu sprengen und ohne mit der Wimper zu zucken die Grenzen zu überschreiten. Niemand fasste ihr Gesicht an!
Was sie mag, sind seine Hände. Wie sie über die Wangen streicheln, die Augen entlangfahren, die Nase stupsen. Sie liebt es, wenn seine Hände ihre Ohren bedecken, die Daumen zur Stirn fahren und die Finger in ihrem Mund verschwinden. Die Wärme seiner Hände legt sich wie eine weiche Decke über sie.
Wenn sie ihr Gesicht in seine Hände legt, dann fühlt sie sich beschützt. Wenn seine Finger über ihren Mund streicheln, ist keine Bedrohung da, nur schöne Gefühle. Ängste werden vergessen, selbst die Zeit scheint stillzustehen, wenn sie sich mit geschlossenen Augen dem zärtlichen Streicheln hingeben kann.
Seine Hände in ihren Haaren bedeuten pure Lust, Hingebung. Auch wenn sie ihren Körper nicht mag, gerne versteckt- seine Hände dürfen ihn erkunden. Sie streicheln die Beine entlang, erkunden ihren Bauch mit allen Unebenheiten und massieren ihre Schultern. Sie streichen den Rücken entlang und liebkosen sie an jeder Stelle. Jede Berührung bedeutet ihr das, was sie nie bekommen kann: Gelebte Gefühle, vertraute Nähe, Intimität. Ein Traum, der für kurze Zeit Wirklichkeit wird.

Sie küssen ihren Körper. Ihr Gesicht. Ihr Ego. Ihre Seele.

Dienstag, 17. Juni 2014

Topf ohne Deckel

"Auf jeden Topf passt ein Deckel!" "Gut, dann bin ich eben ein WOK!"
Ich liebe diesen Satz aus dem Radio.  Jedesmal wenn ich ihn höre, stimme ich ihm zu.
Nein, es ist bei weitem nicht so, dass ich mich einsam fühle- aber einen Deckel habe ich nicht. Nagut, ich habe auch ehrlich gesagt nicht viele ausprobiert- es wurde mir stets zu heiß darunter- aber hin und wieder hatte ich doch das Gefühl, es passt.
Meist waren die Deckel dann zu eng. Luftundurchlässig schmorte ich in meinem eigenen Saft und verdunstete. Leider nicht körperlich, sonst hätte es sich ja sogar gelohnt...
Nun ist mir der Deckel zu weit. Wie dumm. Über Wochen habe ich am Deckel gehämmert, habe die schönsten Gerichte gekocht, damit die Düfte eingefangen werden konnten, aber sie wichen am Deckel vorbei. Wie ärgerlich.
Nun gut, ich dachte mir, dass vielleicht auch das bisschen Duft, das hängenbleibt, ausreichen könnte. Habe also mehr, intensiver, schärfer gekocht - keine Chance. Dabei ist das mit Abstand der schönste und beste Deckel, den ich seit langem hatte. Ihn festzubinden wäre eine Überlegung, aber sicher keine gute- und Gut möchte ich sein.
Also WOK bleiben- ungewollt aber wissend, dass man zumindest niemanden zwingt, mich zu behüten.

Sonntag, 15. Juni 2014

Der Kuss

Zum Abschied wenigstens wollte Sie einen Kuss. Als Zeichen dafür, dass es nicht das ist, was sie immer dachte: Warmgehalten werden für Begierden, warmgehalten werden für langweilige Dienststunden. Über Schatten springen konnte sie, hatte sie auch bereits bewiesen. Aber kommt etwas zurück?
Beim letzten Treffen hatte er es "vergessen". Bezeichnend. So etwas vergisst man nicht. Sie hatte es hingenommen und gehofft, dass ihr Kampf und ihr Bemühen angenommen werden. Gesehen werden.
Ein weiteres Treffen fand statt. Der Abschied kam überraschend schnell. Sie hatte nicht geahnt, dass es so wird. Sie hatte nicht geahnt, dass der Abschied sich anfühlte, als wäre man froh, dass die Zeit vorbei ist. Sie hatte nicht geahnt, sich so zu fühlen nach den schönen Tagen. Eine kurze Umarmung, ein "Schön, dass du da warst" und sie war entlassen. Entlassen in ihre wirkliche Welt. Kein Kuss.
Die geschriebenen Nachrichten klangen stets liebevoll. Die Wirklichkeit war grau.
Hatte sie geträumt, dass heute morgen, als man zusammen im Bett lag und spielte, ein leichter Kuss ihre Schultern streifte? Sie verlor sich in Gedanken und träumte von der Erfüllung ihrer wenigen Erwartungen. Diese Gedanken waren immer sehr schön- ein "Ich denke an Dich" folgte an dieser Stelle oft an ihn. Ob er weiß, dass sie nicht an ihn, sondern an ihre Wünsche dachte? Sicher nicht, er war viel zu oft mit sich selber beschäftigt. Ein toller Mensch - ohne Frage. Sie jedoch war nicht gut genug.
Sie legte sich ins Bett und träumte. Träumte und lächelte während sie einschlief und den Kuss an der Schulter immer und immer wieder spüren durfte.

Dienstag, 3. Juni 2014

Eine verbotene Liebe

"Auf einmal stehst du da, schaust dir deine Beute an,
Deine Blicke sagen mir "ich will dich mit Haut und Haar'n",
DU hast diesen Hunger, DU willst mich verschleppen,
In deine Höhle um mich häppchenweise aufzufressen."

So sehr hatte ich mich gefreut dich kennen zu lernen. Die Erzählungen und die gemeinsamen Google-Maps Abende haben mich neugierig gemacht. Mich, die ich nur ungern über meinen Tellerrand schaue und aus dem immergrünen Bonn mit allen Macken, Ecken und Kanten nicht loskomme.
Natürlich habe ich mich bestätigt gefühlt, dass es bei dir regnet, wenn ich doch bei strahlendem Sonnenschein in Bonn in den vermeindlich sonnigen Süden fahre. Ich wollte dich nicht mögen.
Nach einigen schönen Stunden mit einer Freundin habe ich dich am Abend vorsichtig erkundet. Die Straße, an der mein Hotel liegt, bietet unzählige Imbisse und ebenso vielfältige Menschen. Der Regen hat aufgehört, als würde mich die Stadt in ihren Bann ziehen wollen. Mich? Never!
Vorsichtig bewege ich mich durch die Menschen, als würde ich dazugehören. Stetiges Gemurmel über die immergleichen Probleme lassen mich tatsächlich schnell fühlen, als wäre ich schon ewig hier. Die Autos, die Häuser, die Straßenbahn, alles so wie in Bonn. Große, zum Teil schlecht gepflegte Kasernenbauten aus den 50iger Jahren neben wunderschönen - ja, wie heisst das hier? In Bonn würde man Südstadtvillen sagen. Gründerzeithäuser?
Kleine, versteckte Kaffeehäuser, vor denen alte Männer und Frauen erzählenderweise den Sonntag beenden.
Und... BIERGÄRTEN. Davon kann ich nicht genug bekommen. Durch eine Wohnsiedlung hindurch führt mich der Weg in einen mit Hecken umzäunten wunderschönen Biergarten mitten im Trubel der Großstadt. Ein Radler, ein Wurstsalat- und ich fühle mich so heimisch. Am Nebentisch wird über Barsch, Rauchen und die Baustellen in der Stadt geredet. Ich höre fasziniert zu. Da man dies anscheinend bemerkt hat, werde ich nach jeder wichtigen Aussage mit Blicken bedacht und erst wieder losgelassen, wenn ich den Satz mit abnicke.
Zufrieden gehe ich nach dem Essen ins Hotel und ärgere mich schon gar nicht mehr über den schlechten Netzempfang. Die Baustellen- die sind mir bereits auf der Hinfahrt aufgefallen, aber erst am nächsten Tag erfahre ich, dass hier eine U-Bahn gebaut wird und so die Stadt in Gänze eine große Baustelle ist. Hach, wie schön, wie in Bonn! Nagut, wir haben schon eine U-Bahn- aber lass dir gesagt sein, du schöne Stadt, wenn die U-Bahn fertig ist, wird es neue Gründe für Baustellen geben. Schöne Städte, liebenswerte Städte, brauchen Baustellen.
Du zeigst mir deine Stadt, gehst mit mir auf den Turmberg und erklärst mir die Schönheit von oben. Ruhige Worte, fesselnde Worte und immer starke Arme und ein Körper wie eine Mauer, der mich vor dem Wind schützt. Ich fühle mich wohl. Wie sollte es auch anders sein, war ich doch schon wieder in einem Biergarten, habe mich durch deine Baustellen gewühlt und festgestellt, dass rote Ampeln nur empfehlen, stehen zu bleiben- nicht das weiterfahren verbieten. Wie hast du mir gesagt? "Eine grüne Ampel bietet lediglich eine legale Möglichkeit, die Kreuzung zu überqueren, es bedeutet nicht, dass es sicher ist." So- oder so ähnlich war es. Die rote Ampel bedeutet dann wohl die illegale Möglichkeit mit der gleichen Option auf Sicherheit.
Der Blick vom Turmberg könnte auf das Siebengebirge fallen- so ähnlich wirkt es. Was fehlt, ist der Rhein.
Ich lerne ein paar Sehenswürdigkeiten kennen. Vom Auto aus. Schade, aber die Zeit reicht nicht. Ich schaue Aquarien an und verliebe mich aufs Neue in die faszinierende Welt der Aquaristik. Auf einer sich bewegenden Platte lerne ich, wie sich ein Erdbeben anfühlt und beobachte, wie sich Strömungen verändern, wenn man Gegenstände ins Wasser lässt, das Wasser staut oder ungleich hinzu fließen lässt.
Ich lerne, dass ich mich wohl fühle und gehalten werde. Ich weiß, dass ich noch so viel sehen möchte - und auch werde. Vielleicht treffe ich den Mann, der mich nach dem Frühstück mit seinem alkoholgeschwängerten Geprolle erheitert hat. Wie zu Hause. Nicht die Stadt war der Grund, hierherzukommen. Du warst es. Die Stadt wird ein Grund sein, wiederzukommen. Bonn hat eine Zwillingsschwester.
Nun tut mein Körper weh. Mein Rücken, mein Kopf, meine Seele. Ich sitze zu Hause und denke zurück, wohl wissend, etwas verloren zu haben. Wohl wissend, etwas gewonnen zu haben. Traurig denke ich an die wunderschönen Stunden zurück ohne zu wissen, was echt war. Ohne zu wissen.
Das bisschen Glück habe ich verdient. Mit diesem Wissen lasse ich los und schließe ab. Traurigkeit überkommt mich wie eine Welle ohne entrinnen.

"Du bist so gierig, ich glaub, ich verlier mich,
Probier nicht mehr zu entkomm'.
Beiß mich, verschling mich, zerreiß mich,
Ich weiß, ich hab keine Chance."