Montag, 6. Juli 2015

Twitter

Sechs Jahre bin ich nun dabei. Mehr oder weniger.
Angefangen hat es, als aus dem Bundestag Ergebnisse getwittert wurden die noch gar nicht öffentlich sein sollten. Radio Bonn-Rhein-Sieg - und dort der Morgenmoderator Frank Wallitzek- hatten darüber berichtet und Twitter erklärt. Neues mache ich immer gerne mit, also habe ich mich angemeldet- und fand es doof. Doof, langweilig, irgendwie... wie ein Chat - und das mag ich ja gar nicht so gerne. Also anmelden, mitlesen, doof finden. Das war es zunächst.
Ein halbes Jahr später lud Frank Wallitzek zum ersten Twittertreffen in die Rohmühle nach Bonn- gleichzeitig sein Geburtstag: 15.11.2009. Lange habe ich mit mir gehadert, ob ich dort hingehen möchte- für mich ist ein Treffen mit mir vollkommen fremden Personen gar nichts. Alternative: Jemanden mitnehmen, den ich kenne. Gemacht getan- ich bin zu diesem Treffen gegangen und habe wirklich liebe, nette Menschen kennen gelernt. Mit den meisten von diesen Menschen habe ich noch Kontakt- nicht mehr unbedingt über Twitter- aber noch persönlich. Es war ein sehr kleines Treffen, einige der Twitterer damals twittern gar nicht mehr, einige habe ich direkt nach dem Treffen verloren.
Einer der dort Anwesenden ist mittlerweile verheiratet- mit mir als Trauzeugin- und immer noch sehr gute und enge Freunde von mir. (Der eine Part der Twitterehe twitterte damals noch nicht bzw war damals als potentieller Ehepartner noch gar nicht bekannt).
Der Morgenmoderator ist immer noch Morgenmoderator- lustig und gut gelaunt wie eh und je - nur ein wenig bekannter nun.
Das sollte für mich auch das einzige Twittertreffen bleiben- ich bin und werde nie für solche Treffen geeignet sein, da meine persönliche Feigheit genau darin besteht, fremde Menschen kennen zu lernen (Ja genau- da beisst sich die Katze in den Schwanz)
Nach diesem Treffen habe ich Twitter neu für mich entdeckt und festgestellt, dass man Informationen jedweder Art viel schneller und effektiver (aber nicht unbedingt glaubwürdiger) über dieses Medium erhalten kann. Es tröpfelte so vor sich hin- ich habe immer mehr Follower erhalten, mich von denen verabschiedet, die Twitter als reinen Chat betrachtet haben und immer öfter auch selber vom Wissen der Twitterer profitiert. Gerne erinnere ich mich daran, dass ich im Dienst den Wert einer Pflegefachkraft im Nachtdienst berechnen musste. Ich twitterte, dass ich gerne die Gehälter der Nachtdienstler in meiner TL erfahren würde, dass bitte auch andere angeschrieben werden sollten- und hatte letztendlich ein sehr breitgefächertes, gutes Ergebnis. Alleine hätte ich da so nie hinbekommen.
Twitter ist für mich mittlerweile eine kleine virtuelle Familie geworden. Nicht alles ist virtuell- eine kleine Gemeinschaft persönlich bekannter Menschen hat sich dazugesellt - eine kleine Handvoll Twitterer, die ich alleine kennen gelernt habe, ebenso. Rasibo zum Beispiel- Teilnehmer der Twbonn im Jahr 2013, den ich dort als angenehmen Gesprächspartner erleben durfte- und dessen Freundin ich in Karlsruhe in einem Biergarten traf- ein sehr, sehr schöner Abend.
Twitter hat auch nicht so schöne Seiten gehabt. Einen Twitterer lernte ich kennen und bekam mit, wie er immer tiefer depressiv wurde. Eine schwere Zeit, die mir immer noch nachhängt.
Grundsätzlich fällt es mir schwer, mich zu zeigen, mich zu treffen- aber zu twittern- das geht. Es macht sogar Spaß- und ICH bestimme, was ich von mir preis gebe und was nicht so ganz der Wahrheit entspricht. Das ist gut so, das kommt mir entgegen.
Die Follower sind mir allesamt wichtig- wer mir nicht passt, ist weg. Auf diesem Weg habe ich schon einige, nicht viele, geblockt.
Blocken steht mir nicht. Ich verabscheue ignorieren. Deshalb geschieht dies wirklich nur bei Followern, bei denen ich das Gefühl gewinne, sie stalken mich. Bisher sind es- so glaube ich- zwei oder drei.
Einen Follower habe ich, den ich persönlich kenne, der mich allerdings maßlos enttäuscht hat. Trotzdem bleibt der Weg über Twitter offen, mich wieder anzusprechen- deshalb kann ich nicht blocken. Aber es bleibt das Gefühl, dass diese Seite an mir einfach zu gut ist. Zu naiv gut.

Es gehört zu mir mittlerweile Ihr lieben Follower, es gibt Tage, da bin ich froh, in eure teilweise *normalen* Welten eintreten zu können. Es gibt Tage, an denen bin ich froh, eure *verrückten* Welten kennen zu lernen und es gibt mittlerweile tatsächlich Tage, an denen ich auch Konversationen über Twitter gerne verfolge und mich auch gerne beteilige.

Danke, dass es euch gibt, danke an die, die mir besonders an Herz gewachsen sind und danke auch an Dich, dass du mir immer noch folgst.