Samstag, 26. April 2014

Über Schatten springen

Jeder weiß ,was damit gemeint ist. Etwas zu machen, was man normalerweise nicht machen würde. Etwas sagen, tun oder unterlassen, was viel Kraft bedeutet. Wer hat das noch nicht gemacht?
Schatten, die meiner Sprungkraft entsprechen, habe ich schon unzählige Male übersprungen. Aus vielen Gründen, die hier gar nicht wichtig sind.
Ich habe  Dinge gemacht, die nicht im mindesten meiner Überzeugung waren, um einen Menschen loszuwerden. Ob das gut war, so wie ich das gemacht habe, weiß ich nicht. JETZT ist es gut.
Ich habe mich selber entfernt, um einen Menschen glücklich zu machen. Das war, auch im nachhinein gesehen, gut.
Viele Male habe ich geschwiegen, obwohl ich hätte reden sollen oder geredet obwohl Schweigen besser gewesen werde. Man lernt dazu.
Die letzten Schatten waren größer als ich weit springen kann. Wieso ich es trotzdem geschafft habe? Ich weiß es nicht. Aber die Erkenntnis, dass es nicht reicht, wenn nur eine Person über den Schatten springen muss, daß mehrer Sprünge von beiden Seiten nötig sind- die ist mir tatsächlich erst jetzt gekommen. Nennt mich dumm. Oder lernfähig. (Würde mir fast besser gefallen)
Was ich mit dieser Erkenntnis anfangen werden, weiß ich nicht. Aufschreiben ist immer der erste Schritt um weiterzukommen- ich lasse mich überraschen!


Sonntag, 23. März 2014

Vereine

Seit ich denken kann, bin ich im DRK. Angefangen bei den Kleidersammlungen, Helfer im Sanitätsdienst, Rettungshelfer, Rettungssanitäter, Rettungsassistent. Die freien Wochenenden habe ich bis vor kurzem für Schichten auf der Feuerwache hergegeben, so manchen Abend auf Bereitschaftsabenden oder Sanitätsdiensten verbracht, den halben Sommer auf dem Kunst!Rasen geschwitzt- und immer wieder gerne den nächsten Dienst angenommen.
Irgendwann habe ich mich berufen gefühlt (oder war es mir langweilig? Gab es nichts anderes zu tun?), die Führungs- und Leitungslaufbahn einzuschlagen. Wieder Lehrgänge, Wochenenden hinter Büchern, Prüfungen als Zugführer und in der Stabsarbeit. Es hat sich gelohnt- die Arbeit macht Spaß, es gelingt mir, die Helfer mitzureissen und die Einsätze lustig und erfolgreich zu beenden.
Was mir keiner sagte: Ich muss nun auch zu Leitungsbesprechungen. Ich muss zu den Gremien, in welchen sich die Hälfter derer positionieren, die kein eigenes Leben mehr haben (zu scheinen). Gerade in der letzten Woche habe ich - und nicht nur ich- feststellen dürfen, dass die ehrenamtliche Mitarbeit in einer Hilfsorganisation überhaupt nicht heißen muss, dass man auch nur ansatzweise über soziale Kompetenz verfügt. Erschreckender Weise zeigen dann manche Menschen ihr wahres Gesicht, wenn andere ihres gerade verlieren. Nicht alle wahren Gesichter sind schön. Da werden Menschen gemobbt, abgesägt, bevormundet und hintergangen, welche tatsächlich aber den gleichen sozialen Gedanken hegen, den alle anderne in dieser Runde auch haben sollten.

Nach so vielen Jahren schwindet die Lust an der Mitarbeit. An der Arbeit für Menschen- weil Menschen so sind wie sie sind. Traurig.

Freitag, 14. März 2014

Social Media

Wieder gibt es einen Grund, einen Menschen im Internet nieder zu machen. Wieder gibt es einen Grund, die eigene Meinung anonym an all die Menschen zu senden, die sie entweder gar nicht lesen mögen oder aber erpicht darauf sind, ihre eigenen geistigen Ergüsse unsachlich und ohne Verstand der Öffentlichkeit aufzupressen. Dabei ist es gar nicht gesagt, dass es die eigene Meinung - oder der eigene geistige Erguss- ist. Oftmals wird die Meinung desjenigen übernommen, der die meisten "Gefällt mir" unter seinem Post stehen hat.
Traurig
Natürlich, da wurden Steuern hinterzogen. Nicht wenig. Keine schöne Sache - ohne Frage- aber das möchte ich hier gar nicht diskutieren. Auch das Strafmaß möchte ich nicht beurteilen - ich traue unserem Rechtsstaat zu, dies eigenverantwortlich zu verantworten.
Was ich verurteile, sind die Menschen, die ihr Leben selber nicht in den Griff bekommen aber über das Leben- egal wie es verläuft - von anderen Menschen urteilen.
Die Menschen, die ihr Leben im Netz breit treten. Die alles, was sie machen, alles was sie fühlen, alles was sie denken, sehen, schmecken oder erleben im Netz verbreiten.
Ja, auch ich bin im Netz. Auch ich habe Twitter, Facebook, lese Blogs und informiere ich auf verschiedenen Nachrichtenseiten. Trotzdem ist der Mensch, den ich auf Social Media präsentiere, nicht der Mensch, der ich bin.
Mir liegt es eher, mein Gegenüber zu sehen. Auf Reaktionen im Gesicht zu achte, mich auf freundliche oder unfreundliche Gesichter einzulassen. Kein Lob über Social Media sondern Lob auf der Arbeit, in der Freizeit, für Dinge, die gut waren. 
Keine Message sondern lachende Augen, lachende Münder, Umarmungen.
Vor allem: Kein anonymes Mobben sondern ehrliche Ansagen.

Einsam sind die, die im Netz leben.

Dienstag, 4. März 2014

Veilchensdienstag

Normalerweise arbeite ich Veilchensdienstag nicht. Also nicht im Büro. Heute habe ich es teilweise gemacht- und weiß nun auch um eine weitere Tradition, die ich bisher noch nicht mitbekommen habe:
Die Danksagung an die Geschäfte, die maßgeblich die Karnevalsvereine unterstützt haben.
Dachte ich noch, dass die paar Stunden im Büro eine ruhige Abwechslung zu den meist lauten Tagen der letzten Karnevalszeit wäre, so habe ich mich getäuscht. Gegen Mittag hörte ich eine Blaskapelle Karnevalsmusik schmettern. Auf der vielbefahrenen Straße. Ohne Ankündigung eines durchaus möglichen Karnevalszuges. Nungut, ein Grund aus dem Fenster zu schauen. Ich sehe mehrere Dutzend Beueler Stadtsoldaten, welche die Straße mit Begleitung eines Polizisten überqueren, an jedem größeren Geschäft halt machen und mit viel TamTam, Stippeföttche und Alaaf-Schreie auf ihre Geld und Kamellespender hinweisen. Eine schöne- wenn auch sehr laute- Tradition- es hat Spaß gemacht, teilzuhaben.

Ihr glaubt gar nicht, wie viele Geschäfte es in Bonn-Beuel gibt :)


Sonntag, 2. März 2014

Alkohol

Tolle Sache. Unbestritten. In Maßen. Manchmal.
Habt ihr schon einmal eine Party besucht, bei der ihr aus welchen Gründen auch immer nüchtern bleiben musstet und alle anderen um euch herum mehr als genug intus hatten?

So geschehen am Freitag. Es ist unglaublich, wie die Charaktere sich ändern. Der eine wird aggressiv, stur und bissig jeder Kleinigkeit gegenüber. Ein Fehler, das verstehen zu wollen. Das sind mir die unliebsten.
Die Masse- zum Glück- wird einfach nur lustiger, enthemmter und feiert.
Das ein oder andere Wort, die ein oder andere Geste wäre vielleicht ohne Alkohol nicht gefallen.

Anstrengend sind die Menschen, die unter Alkoholeinfluss ihr Leben durchleuchten. Denen einfällt, dass sie vor 10 Jahren die beste Freundin verloren haben, die tränenreich von ihrem Geburtstrauma erzählen oder deren Teddy sie zu jedem Toilettengang begleitet.
Tränenreich wird stundenlang erzählt, wie schwer man es hat .


Dann doch lieber selber trinken!

Sonntag, 23. Februar 2014

Einmal im Jahr

Die Pferde wiehern schon leise, noch aber wurde der Durst noch nicht ausreichend gestillt. Vorsichtig lugt die Sonne aus dem immer spärlicher werdenden Wolkenbett hervor. Drachen ziehen lustig anzusehen über die Straßen, feuerspeiend jedem Mädchen mit kurzem Rock hinterher.
Rotkäppchens Korb hat noch keinen Inhalt, die Feuerwehr steht lustlos am Straßenrand und unterhält sich mit den Strafgefangenen, welche bibbernd vor Kälte ihren Sträflingsanzug unter Daunenjacken verstecken.
Die Sonne steht nun im vollen Glanz am Himmel und wärmt die vielen Bienen, Marienkäfer und Eisbären auf dem Weg zur Arbeit.
Plötzlich setzen Trommeln ein. Die Menge stockt, setzt sich aber im Rhythmus der Trommeln erneut in Bewegung. Die hinzugeführte Trinkspende hilft bei den sonst unbeholfenen Tieren, sich gleichmäßig der Masse anzupassen.
Flöten, Sambarhythmen und Trillerpfeifen setzen ein- die Sonne verschwindet verschreckt hinter den Wolken.
De Zooch kütt.
Eine lange Reihe durchgefrorener aber angetrunkener Karnevalisten zieht fröhlich singend und tanzend durch das Dorf. Am Ende des Zugweges sinken alle erschöpft und weitaus leiser wieder in ihre Wochenendlethargie zurück und versammeln sich im Dorfzelt.

Die Sonne aber, die kann nun wieder scheinen.

Samstag, 15. Februar 2014

Wochenendbeschäftigung

Ihr kennt das. Aus irgendeinem Grund sitzt man freiwillig oder unfreiwillig am Wochenende in einem Seminar. Oder in einer Fortbildung. Einem Lehrgang oder sonst einer schöner Veranstaltung, bei der man mit weitestgehend unbekannten Menschen aufeinandertrifft und die freie Zeit verbringt.

An einigen Wochenenden mache auch ich das mit und finde es erstaunlich, dass, egal aus welchem Grund man in dem Lehrgang sitzt, egal welche Hintergründe das Seminar hat- man trifft immer wieder auf den selben Typ Menschen:

Die einen, die überhaupt kein Interesse haben. Die, die mit ihrem Laptop, ihrem Smartphone oder dem Tablet das gesamte Wochenende über chatten und spielen. Das Seminargeschehen bekommen sie nicht mit, sie bekommen allerdings auch nicht mit, dass dies eine nicht entschuldbare Respektlosigkeit dem Ausbilder gegenüber ist.

Die, die eigentlich überhaupt keine Lust haben aber aus welchen Gründen auch immer, daran teilnehmen müssen. Sie passen oft auf aber zeigen mit Unverständnis bei Übungsaufgaben sehr deutlich, dass sie froh sind, wenn das Wochenende zuende ist.

Die, die sehr gerne mitmachen und dies auch mit einer Vielzahl von Fragen unterstreichen. Fragen, die sich eigentlich durch kontinuierliches Zuhören selber beantworten.

Die, die eigentlich schon alles wissen, aber das Wochenende dazu nutzen möchte, ihr Wissen breitzutreten und bei jeder sich bietenden Möglichkeit den Ausbilder zu unterbrechen oder zu verbessern.


Und die, die sich alles anhören und später darüber schreiben.