Montag, 13. Januar 2014

Normal. Ganz normal!

06:00 Uhr: Der Tag ist im vollen Gange, die Tiere gefüttert, der Mensch angezogen, das Geschenk für den Kollegen von den Kollegen eingepackt, der Salat umgefüllt- auf in den Dienst.

06:20 Uhr: Parkplatz gefunden. Gut durchgekommen- es lohnt sich, früh zu fahren. Wie immer. Vollgepackt aus dem Auto gestiegen. 100 m bis zum Büro- bis zum ersten Kaffee- bis zum Aufwachen.

06:30 Uhr: Radio an. PC an. Kaffeemaschine an. Iphone auf den Tisch. Iphone auf den Tisch. Iphone. IPHONE....

06.40 Uhr: Kaffee vergessen. Hektische Iphonesuche überall dort, wo sich Iphones normalerweise verstecken. Meine Schweißdrüsen sind in voller Arbeit, die Gehirntätigkeit lässt nach. Meine Hände zittern. Der Kaffee schmeckt nicht.

06:50 Uhr: Erster Kollege kommt. Contenance bewahren. Lächeln. Guten Morgen wünschen. Tür zu. Weitersuchen.

07:10 Uhr: Zweiter Kollege kommt. "Hast du die WA gelesen? Meltem kommt heute nicht". "Ich habe mein Handy vergessen...". MEIN HANDY. Liebes Iphone es tut mir leid. Anders konnte ich es nicht kompensieren. Mitleidiges Lächeln meines Kollegen. Ich weine leise.

08:10 Uhr: Es ist geklärt. Bekomme mein Iphone um 13 Uhr gebracht. Habe mir viele Gedanken gemacht, wie ich die Zeit bis dahin kürzer gestalten könnte. Arbeiten zum Beispiel. Meine Gefühle niederschreiben. Soll ja helfen. Mir vorstellen, wie ich es Sonntags schaffe, wenn ich länger schlafe. Auch ohne Iphone. Beruhige mich langsam.

11.30 Uhr: Habe tatsächlich nicht oft auf die Uhr geschaut. Höchstens alle 5 Minuten einmal. Und auch das nur, wenn ich am Schreibtisch war- sonst habe ich ja keine Uhr. Habe ja ein Iphone. HIMMELHERRGOTTWANNIST13UHR!


Bin stolz auf mich. Habe den Vormittag fast geschafft. Der Tag kann nur besser werden!

Mittwoch, 8. Januar 2014

Mein Coming Out

Tja, wie soll ich es sagen. Es fällt mir nicht leicht, weiß ich doch nicht, ob ich gesellschaftlich noch anerkannt bin, wenn ich nun mein Coming Out über einen Blog geschehen lasse.

Ich bin ein Mensch. 


Wenn ich ehrlich bin, dann ist mir die sexuelle Ausrichtung meines Gegenübers vollkommen egal. Ich verstehe die Menschen nicht, die sich mit einem "Ich bin übrigens homosexuell, guten Tag" vorstellen. Ich mache das nicht. Ich grüße und mache im Tagesgeschäft weiter.

Ob der Sachbearbeiter in der KFZ-Zulassungsstelle von Männern träumt? Mir egal
Ob die Verkäuferin an der Kasse abends mit ihrer Freundin im Bett kuschelt? Mir egal

Wichtig ist mir, dass mein Auto ordentlich angemeldet ist und der Kassenbon am Ende stimmig ist.

Schade, dass es nicht möglich ist, seinen "Partner"- egal welchen Geschlechtes- einfach mitzubringen zu einer Veranstaltung. DAS wäre Applaus wert- wenn nicht darüber gesprochen sondern einfach danach gelebt wird. Wenn niemand den Kopf verdreht, weil eine Frau eine Frau oder ein Mann einen Mann küsst. Wenn man sein Privatleben im Privaten erleben darf ohne dass es jemanden interessiert, WIE man es er- und auslebt.

Ist ein homosexueller Mensch charakterlich schlecht? Arbeitet er anders? Kann er nicht rechnen, schreiben. lesen? Ist er nicht lernfähig? Ist es unmöglich, als Homosexueller (guten) Sport zu treiben? Ist die Politik von Homosexuellen verfassungsfeindlich?

Na also. Wieso also einen Wirbel um die sexuelle Ausrichtung von Menschen machen, die so normal wie du und ich sind.


Dienstag, 31. Dezember 2013

Wunderkerze

An Silvester macht man eine Wunderkerze an und denkt an schöne, vergangene Momente. An das kommende Jahr. An (nicht) gefasste Vorsätze.
Eine Wunderkerze für die Menschen, die still sein können.
Eine Wunderkerze für die Freunde, die da sind. Die nicht alleine lassen.
Eine Wunderkerze für die Menschen, die helfen ohne Hintergedanken. Ohne zu Fragen und ohne zu erwarten
Eine Wunderkerze für die Menschen, die verstehen ohne Worte.
Eine Wunderkerze für die Menschen, denen das Interpretieren von Worten ein Fremdwort ist. Die Menschen, die verstehen was gesagt wurde.
Eine Wunderkerze für alle kranken Menschen. Die, die kämpfen und nicht aufgeben.
Eine Wunderkerze an mich. Weil ich lebe und es gut machen möchte.
Eine Wunderkerze an die Freunde, die lehren ohne weh zu tun.

Mittwoch, 25. Dezember 2013

2014



2013 war kein gutes Jahr. Vielleicht war es das doch und es zeigt sich erst später- wer weiß.
Ehrlich gesagt bin ich froh, dass es zuende ist. Wobei das natürlich unsinniges Denken ist- wieso sollte sich ab Mittwoch etwas ändern? Vielleicht, weil man einen Zeitpunkt braucht, an dem man konsequenter an etwas arbeitet.
2013 war das Jahr der Verluste. Gewollt und ungewollt sind mir wichtige Menschen aus meinem Leben verschwunden. Das zu verarbeiten war oftmals sehr schwer, hat mich Tage und Wochen Nachdenken gekostet. Die Gründe waren oft subtil – ich konnte sie oft verstehen und wusste auch darum, dass nicht ich als Person der Grund war sondern äußere Umstände- trotzdem hatte ich den Anspruch an mich, eine gute Freundin zu sein und den Eindruck, das in den Fällen nicht geschafft zu haben.
Den Anspruch hatte ich glaube ich zu oft an mich gestellt. Ab 2014 werde ich wohl verstehen, dass ich nicht allmächtig und für jeden verfügbar sein kann.
Gelernt habe ich, dass es nicht mehr *in* ist, „Danke“ für Komplimente, schöne Dinge oder Geschenke zu sagen. Sich über Komplimente zu freuen und dies zu zeigen. Normal scheint, über schöne Dinge hinwegzusehen und zu ignorieren. Ob ich das allerdings übernehmen werde in 2014 bezweifle ich.
Dienstlich war 2013 ein hartes Jahr. Mein Job macht mir Spaß, so dass ich den Stress und die Arbeit oft gar nicht als solches wahrgenommen habe. Trotzdem weiß ich für 2014, dass dieser Stress nicht mehr so aufkommen wird.
Mein Ehrenamt macht mir wieder Spaß. Nach drei Jahren Pause habe ich wieder Freude an der Arbeit. In 2014 hoffe ich, wie früher wieder dabei zu sein.
Manchmal bin ich ein komischer Mensch. Innerlich böse und schwach – äußerlich die nette, starke, hilfsbereite Frau. Ob ich meine Meinung im nächsten Jahr- wohl verpackt- öfter kundtue weiß ich noch nicht. Versuchen werde ich es auf jeden Fall.
Alkohol, Drogen, Sex- das bleibt wie es war. Hier braucht es keine Änderung. Nicht in diesem, nicht im nächsten und schon gar nicht in den folgenden Jahren.
Was ich nicht ändern werde, ist für die Menschen eine gute Freundin zu sein, die es verdient haben. Die zu mir stehen wenn ich es brauche, mir zuhören und mich halten. Die Menschen, die ich jederzeit anrufen kann, die Menschen, die auch dann Zeit haben, wenn sie genervt sind, im Stress oder beim Einkaufen. Die Menschen, die wissen, was Freundschaft bedeutet.
Für Euch bin ich dankbar. Sehr sogar.

Sonntag, 15. Dezember 2013

Winter

Eiskalte Hände berührten ihr Gesicht. Sie streichelten über ihren Hals den Rücken hinunter bis in die Zehen. Schaudernd zog sie ihren Schal an, zog die Mütze tief in die Stirn und vergrub die Hände in den warmen Taschen ihres Wintermantels. Mit der plötzlich eintretenden Wärme kamen weiße Bälle durch die nicht verdeckten Ritzen auf ihre Haut. Nass gruben sie sich einen Weg hinter den Schal und den Körper hinab. Immer schärfer wurden die Geschütze. Wie Messerstiche trafen sie zielgerichtet die nicht geschützten Stellen. Die rettenden Lichter des warmen Hauses zogen sie aus der unwirtlichen Jahreszeit in warme Hände. Frühling, wie vermisse ich dich.